Fahrradmobil

Fahrradkurse für Frauen

Seit einigen Jahren engagiert sich das Programm „Integration durch Sport“ insbesondere für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft. Immer deutlicher wird dabei, dass gerade Frauen eine geringe Rolle im Vereinssport spielen.
Bei Frauen mit Migrationshintergrund insbesondere aus dem muslimischem Kulturkreis liegt der Anteil noch weit niedriger. Sie sind hier auffällig unterrepräsentiert, obwohl ihr Interesse am Sport vergleichbar hoch ist wie bei den Männern. Der Grund für dieses Defizit liegt im meist mangelnden Sportangebot für Frauen. Häufig wird das kulturspezifische Sportverständnis der Migrantinnen nicht berücksichtigt. Oftmals fehlen ihnen einfache sportliche Erfahrungen wie etwa das Fahrradfahren gänzlich, da es das in den Herkunftsländern entweder gar nicht gab oder aus religiösen Gründen für Frauen nicht gestattet war.

Die Pilotphase
Was als Pilotprojekt in Landshut startete, läuft nunmehr schon seit drei Jahren mit zunehmender Nachfrage. Dabei bedurfte es keinerlei Werbung. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda konnte der Fahrradkurs schon im ersten Durchlauf mit 10 Teilnehmerinnen durchgeführt werden. Mittlerweile finden jedes Jahr zwei Fahrradkurse in Landshut und Regensburg statt.

Das Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt von mehreren Sportvereinen, dem Programm “Integration durch Sport“ und der Fahrradstation am Bahnhof Landshut. Letztere stellt Fahrräder und Wartung der Räder teilweise kostenlos zur Verfügung.  Dank engagierter Übungsleiter kann das Projekt nun schon seit 3 Jahren erfolgreich durchgeführt werden.

Das Projektziel
Ziel des Projektes ist es in erster Linie den Frauen das Fahrradfahren beizubringen und ihnen damit ein Stück Unabhängigkeit zu geben. Aber auch die Begegnung mit Frauen aus anderen Kulturen und Einheimischen ist ein wesentlicher Teil des Projekts. Auch einheimische Frauen, die aufgrund eines Unfalls oder schlechter Erfahrungen jahrelang kein Fahrrad gefahren sind, nutzen das kostenlose Angebot, um ihre Angst zu überwinden.

Der Fahrradkurs
Bei einem Kurs von meist zehn Einheiten erlernen die Teilnehmerinnen nicht nur das Fahrradfahren, sondern auch das richtige Aufwärmtraining. Sie lernen sich gegenseitig kennen und haben Freude in der Gemeinschaft. Am Anfang des Fahrradkurses stehen Gleichgewichtsübungen mit einem Roller. Mit ihm kann das Rollen und Gleiten („Schubsen, Stehen, Sitzen“) so lange geübt werden, bis es dann auch mit dem Fahrrad klappt.
Niedrige Klappräder und Laufradübungen ohne Pedale erleichtern den Einstieg beim Fahrradfahren. Dazu werden die Klapppedale einfach umgeklappt. Später geht es darum, sich nicht am Lenker festzuhalten, um Handzeichen geben zu können und ein sicheres Lenkverhalten zu erwerben. Die Teilnehmerinnen erlernen vom Aufsteigen, Balance halten und Gleiten alles, was sie zum sicheren Fahrradfahren benötigen. Neben Slalom fahren und Spurwechsel lernen die Frauen aber auch alles, was sie über das Fahrradfahren im Verkehr wissen müssen. Am Ende erfolgt als Abschlusstest ein Parcours des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club), den die Teilnehmerinnen fehlerfrei bewältigen müssen. Klappt es einmal nicht beim ersten Kurs, kann ein weiterer Kurs anhängt werden.

Erweiterung des Projekts
Die Projektidee findet  rege Nachfrage, wo immer sie bekannt wird. Um den Wirkungskreis über den Raum Landshut und Regensburg hinaus erweitern zu können, bedarf es weiterer materieller und personeller Ausstattung.
Für die Koordinierung des Projekts sorgt die Bildungsreferentin des Programms „Integration durch Sport“ in Regensburg. Hier steht auch ein Fahrzeug einschließlich Anhänger zur Verfügung, der Platz für ca. 8 Fahrräder bietet. Die Betreuung der Kurse vor Ort wird in Kooperation mit lokalen Partnern umgesetzt, so dass der finanzielle Aufwand überschaubar bleibt.

Nachhaltigkeit
Wenn die Frauen aus den Fahrradkursen in Landshut mit ihren eigenen Fahrrädern an der Ampel stehen, oft sogar mit Kinderanhänger, dann ist das Beweis dafür, dass  das Projekt nachhaltige Auswirkungen auf das Lebensumfeld der Frauen hat. Gleichzeitig motiviert es für die Weiterführung des Projekts. Einige Frauen haben so viel Freude am Fahrrad fahren gefunden, dass sie sich im Fahrradclub (ADFC) engagieren und neue Gruppen initiieren. Die steigende Nachfrage, die mittlerweile auch in anderen Städten aufkommt, ist ein Indiz dafür, wie groß der Bedarf an derartigen Fahrradkursen ist.

Finanzierung
Für die Erweiterung des Fahrradprojekts werden zunächst ca. 8 Fahrräder benötigt. Für Wartung und Betreuung der Fahrräder stehen Helfer des ADFC und anderer sozial engagierter Partner zur Verfügung. Der Anschaffungswert liegt bei ca. 1.000 Euro. Die Kosten für die Betreuung werden zunächst bei ca. 1.000 Euro pro Jahr angesetzt, die teils durch Kooperationspartner eingebracht werden.